„Ich dachte erst, es wäre besser einfach das Geld runter zu schicken…“

Korrespondenz aus Friedrichshafen, 21.2.2016

Veranstaltung zum Thema: Vom Wiederaufbau in Kobanê/Syrien zur Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen in Nepal in Friedrichshafen

Zu der Veranstaltung, die von Courage Friedrichshafen/Ravensburg und Mitgliedern der ICOR Konstanz/Friedrichshafen vorbereitet wurde fanden sich 20 Interessierte ein. Darunter auch Besucher*innen des Jugend- und Kulturvereins Tohum Vorarlberg in Österreich. Es waren sowohl Teilnehmer*innen der ersten Weltfrauenkonferenz anwesend, als auch Brigadisten des Wiederaufbaus in Kobanê.

Zunächst klärten die beiden Moderator*innen, was die beiden Projekte miteinander zu tun haben. In Rojava, dem kurdischen Gebiet in Syrien spielen die Frauen eine wichtige Rolle im Kampf gegen den IS und dem Assad-Regime. Der Kampf um Freiheit und Demokratie ist ein Kampf von Männern und Frauen. Gleichzeitig ist es aber auch nötig, den Kampf um die Befreiung der Frau zu führen, Unterdrückung in der Gesellschaft, in Ehe und Familie abzuschaffen. Die kurdischen Frauen nehmen nicht nur die Waffe in die Hand, sondern erheben auch ihre Stimme. Und mit ihren Erfahrungen gehören sie natürlich auch auf die Weltfrauenkonferenz in Nepal.

Es folgte ein Bericht mit Bildern über die Entstehung der ersten und der Vorbereitung der zweiten Weltfrauenkonferenz. Beide Projekte wurden von vielen Frauen aus aller Welt vorbereitet,. Und es warteten noch andere Steine, die weg gerollt werden mussten: eine Naturkatastrophe in Form eines Erdbebens, das viel Zerstörung in Kathmandu anrichtete und die Blockade der indischen Regierung, denen weder die fortschrittliche Verfassung, die in Nepal verabschiedet wurde passte, noch die Initiative vieler Frauen für die Weltfrauenkonferenz. Trotz vieler Bedenken lassen sich die Frauen aber nicht davon abhalten, die internationale Konferenz durchzuführen.

Es wurde noch viel Interessantes erzählt. Von mutigen Frauen aus aller Welt wie Joly aus Bangladesh, die Streiks und Kämpfe organisiert oder einer Traumatherapeutin, die Opfer des IS im Irak erfolgreich behandelte. Wenn Frauen sich Zeit „nehmen“, sind sie zu unglaublichen Taten fähig.

Nach einer Pause wurde der Dokumentarfilm: „Den Sieg sichern“ gezeigt. In Kobane/Rojava gelang es der Bevölkerung mit ihren Streitkräften sich vom IS-Terror zu befreien. Die ICOR beschloss beim Wiederaufbau zu helfen. Kobanê ist ein Symbol für eine andere Flüchtlingspolitik zusammen mit dem Schwesterprojekt „Haus der Solidarität“ in Truckenthal.

Der 50minütige Film über den Bau eines Gesundheits- und Sozialzentrums in Kobanê durch internationale Brigaden der ICOR war begeisternd. Er berührt sowohl Verstand als auch Herz und ist auch künstlerisch sehr eindrucksvoll gestaltet.

Beide Projekte zeigen: die Aktivist*innen lassen und ließen sich nicht von schwierigen und bedrohlichen Bedingungen entmutigen.

Im Anschluss gab es noch eine interessante Diskussion.

Ein Teilnehmer, der im Baugewerbe tätig ist meinte: „Ich dachte erst, es wäre besser einfach das Geld runter zu schicken, als über 170 Leute nach Kobanê zu befördern, als ich von dem Projekt hörte. Durch den Film wurde mir klar, dass es um viel mehr geht als ein Bauprojekt mit gutem Zweck. Die Brigadist*innen und die Menschen vor Ort haben sich gegenseitig Mut gemacht, voneinander gelernt und schwierigen Bedingungen getrotzt.“

Der Eintritt und die Spenden, in Höhe von über 160 €, gehen je zur Hälfte an Frauen aus Peru, welche an der Weltfrauenkonferenz teilnehmen möchten und an das Sozial- und Gesundheitszentrum in Kobanê.

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